Stadtratsfraktion BfZ / GRÜNE

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02.09.2014

Pflegestützpunkte - Wagner


Annelie Wagner
Robert-Koch-Strasse 16 A
08060 Zwickau

28.08.2014

ANTRAG zum Bürgerhaushalt 2015
ANTRAG AUF SCHAFFUNG VON EINER LOKALEN HILFSSTRUKTUR PFLEGE
FÜR DEN LANDKREIS ZWICKAU
ANALOG DER BUNDESWEIT BESTEHENDEN UNABHÄNGIGEN
PFLEGESTÜTZPUNKTE UND KRISENTELEFONE,
die vor allem fachkompetente Hilfen aufgrund aktueller, zentral koordinierter unabhängiger Strukturen bieten können für von PFLEGE BETROFFENE
für PFLEGENDE ANGEHÖRIGE
für in der PFLEGE BESCHÄFTIGTE

Sehr geehrte Frau Dr. Findeiß,
Sehr geehrte Damen und Herren Stadträte,
Sehr geehrte Mitglieder des Finanzausschusses,

Die Pflege eines alten und kranken Menschen ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit hinsichtlich der physischen und psychischen Belastung. In den Altenheimen sollten dafür in der Regel examinierte Fachkräfte zuständig sein.
Auch im ambulanten Bereich bedarf es auch einer beruflichen Qualifikation. PFLEGEN bedeutet, sehr große VERANTWORTUNG übernehmen. In Deutschland werden allerdings nahezu ¾ der zu Pflegenden in häuslicher Pflege
von Angehörigen teils mit Pflegedienst oder auch ohne Pflegedienst gepflegt.
Diese Pflege hat Bedarf an professioneller unabhängiger Hilfe.
Pflegende Angehörige, so ist belegt, sind vorwiegend weiblich. Es sind besonders die Töchter, Ehefrauen, Partnerinnen, Enkel, Mütter und andere Verwandte, sehr selten Nachbarn oder Bekannte.
Untersuchungen beweisen: Pflege grenzt aus bzw. vereinsamt.
Pflege und Krankheit gehören noch immer zu unseren Tabu-Themen.
Andererseits wird durch diese per Gesetz als Ehrenamt benannte Arbeit, z.B. bei über einem Jahrzehnt häuslicher Pflege der Pflegestufen 1 -3 der Gemeinschaft
mitunter ca. 500 000 € an Aufwendungen durch einen Pflegenden Angehörigen erspart.
1. IST- ZUSTAND LK ZWICKAU Pflegebedürftigkeit - Zahlen
Im Landkreis Zwickau, so gibt das Statistische Landesamt Sachsen Auskunft:
Stand 2011:
Pflegebedürftige
LK Zwickau 13 558 auf 335 238 EW auf 1000 EW 40,1
Dresden 13 455 auf 529 781 EW auf 1000 EW 25,4
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Der LK Zwickau ist mit dem LK Görlitz somit Spitzenreiter der Pflegebedürftigkeit
in Sachsen.
Für diese 13 558 Pflegebedürftigen hier stehen 4 523 vollstationäre
Dauerpflegeplätze, sowie 255 Tages- und Nachtpflegeplätze und 81
Kurzzeitpflegeplätze bereit.
(wobei die Zahl 81 von Profipflegenden am Ort angezweifelt wird, also prüfwürdig ist)
Demgegenüber stehen 5 194 Pflegebedürftige, die ausschließlich Pflegegeld
erhalten, d.h. hier wird nur von Pflegenden Angehörigen gepflegt.
Davon haben ca. 65 % die Pflegestufe 1, ca. 25% die Pflegestufe 2 und
Der Rest knapp 10% die Pflegestufe 3 im Landkreis Zwickau.
Das heißt um die 1 500 der PST (Pflegestufe) 2 und ca. 500 der PST 3 benötigen
dringend unabhängige Beratung und vor allem Hilfe und die Möglichkeit verdiente
Auszeiten nutzen zu können, indem z. B. ausreichend Kurzzeitpflegeplätze zur
Verfügung gestellt werden und nicht nur erzählt wird, was per Papier alles sein
könnte in der Praxis aber nicht ist. Es bedarf der Verantwortung und Organisation
dafür.
Um nicht zu vergessen auch unter denen, die PST 1 haben, ca. über 3000
Pflegebedürftige sind z. B. an Alzheimer Demenz erkrankt. Diese Pflege ist hoch
belastet.
Im Landkreis Zwickau sind dies 8 511 Personen die an Alzheimer Demenz erkrankt
sind. Ihr Anteil ist von 2008 bis 2012 von 2,23 % auf 2,54% gestiegen.
In der Stadt Zwickau sind es 2 510. Im gleichen Zeitraum ist die Anzahl ebenfalls
gestiegen.
Man beachte auch die Dunkelziffer, die keine Einstufungen beantragt haben bzw.
lange um die Einstufungen durch den MDK kämpfen müssen (besonders bei
Demenz!).
In Zwickau gibt es in der Stadt und im Landkreis für andere hilfsbedürftige
Personengruppen, die nicht so zahlreich sind, Vollzeitstellen seit vielen Jahren.
Aus diesen Fakten ergibt sich die Frage nach wirklich professioneller unabhängiger
Hilfe für die Pflege.
2. IST- ZUSTAND BUNDESWEIT gesetzliche Basis
Mit Einführung des § 75 SGB XI (Landesrahmenvertrag) hat der Bund die
Verantwortung den Ländern übertragen. So ist die Pflegeselbstverwaltung in den
Bundesländern verantwortlich für eine menschenwürdige Pflege.
Die Pflegekassen bilden mit den Vereinigungen der Träger die
Pflegeselbstverwaltung.
Die Vereinigungen der Träger setzen sich wie folgt zusammen: Diakonie, Caritas,
AWO, DRK, Parität, ZWIST (jüdische Gemeinden) sowie der BPA (Bundesverband
privater am Anbieter sozialer Dienste)
Die sieben Trägerverbände (Diakonie Caritas, AWO, DRK, Parität, Zwist sowie der
BPA) stehen in Konkurrenz zueinander, ebenso die Pflegekassen.
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Diese Konkurrenzbetriebe der Pflegewirtschaft richten sich nach ökonomischen
Kennzahlen und Zwängen, d.h. die humane Pflege (so im Gesetz genannt), gemeint
sind wohl die objektiven menschenwürdigen Pflegbedingungen, sollen auf diese
weise, wie im Gesetz steht, hergestellt werden.
Im Gesetz ist zu lesen, die Kommune ist auch verantwortlich laut:
Sozialgesetzbuch (SGB) - Elftes Buch (XI) - Soziale Pflegeversicherung
§ 8 Gemeinsame Verantwortung
(1) Die pflegerische Versorgung der Bevölkerung ist eine gesamtgesellschaftliche
Aufgabe.
(2) Die Länder, die Kommunen, die Pflegeeinrichtungen und die Pflegekassen
wirken unter Beteiligung des Medizinischen Dienstes eng zusammen, um eine
leistungsfähige, regional gegliederte, ortsnahe und aufeinander abgestimmte
ambulante und stationäre pflegerische Versorgung der Bevölkerung zu
gewährleisten. Sie tragen zum Ausbau und zur Weiterentwicklung der notwendigen
pflegerischen Versorgungsstrukturen bei; das gilt insbesondere für die Ergänzung
des Angebots an häuslicher und stationärer Pflege durch neue Formen der
teilstationären Pflege und Kurzzeitpflege sowie für die Vorhaltung eines Angebots
von die Pflege ergänzenden Leistungen zur medizinischen Rehabilitation. Sie
unterstützen und fördern darüber hinaus die Bereitschaft zu einer humanen
Pflege und Betreuung durch hauptberufliche und ehrenamtliche Pflegekräfte
sowie durch Angehörige, Nachbarn und Selbsthilfegruppen und wirken so auf
eine neue Kultur des Helfens und der mitmenschlichen Zuwendung hin.
(3) Der Spitzenverband Bund der Pflegekassen kann aus Mitteln des
Ausgleichsfonds der Pflegeversicherung mit 5 Millionen Euro im Kalenderjahr
Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung, insbesondere zur
Entwicklung neuer qualitätsgesicherter Versorgungsformen für Pflegebedürftige,
durchführen und mit Leistungserbringern vereinbaren. Dabei sind vorrangig
modellhaft in einer Region Möglichkeiten eines personenbezogenen Budgets sowie
neue Wohnkonzepte für Pflegebedürftige zu erproben. Bei der Vereinbarung und
Durchführung von Modellvorhaben kann im Einzelfall von den Regelungen des
Siebten Kapitels sowie von § 36 und zur Entwicklung besonders pauschalierter
Pflegesätze von § 84 Abs. 2 Satz 2 abgewichen werden. Mehrbelastungen der
Pflegeversicherung, die dadurch entstehen, dass Pflegebedürftige, die Pflegegeld
beziehen, durch Einbeziehung in ein Modellvorhaben höhere Leistungen als das
Pflegegeld erhalten, sind in das nach Satz 1 vorgesehene Fördervolumen
einzubeziehen. Soweit die in Satz 1 genannten Mittel im jeweiligen Haushaltsjahr
nicht verbraucht wurden, können sie in das Folgejahr übertragen werden. Die
Modellvorhaben sind auf längstens fünf Jahre zu befristen. Der Spitzenverband Bund
der Pflegekassen bestimmt Ziele, Dauer, Inhalte und Durchführung der
Modellvorhaben. Die Modellvorhaben sind mit dem Bundesministerium für
Gesundheit abzustimmen. Soweit finanzielle Interessen einzelner Länder berührt
werden, sind diese zu beteiligen. Näheres über das Verfahren zur Auszahlung der
aus dem Ausgleichsfonds zu finanzierenden Fördermittel regeln der Spitzenverband
Bund der Pflegekassen und das Bundesversicherungsamt durch Vereinbarung. Für
die Modellvorhaben ist eine wissenschaftliche Begleitung und Auswertung
vorzusehen. § 45c Abs. 4 Satz 6 gilt entsprechend.
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3. IST- ZUSTAND bundesweit und Bsp. für Belege der Missstände
wenige Beispiele:
Die Gesetze führen in der gesamten Bundesrepublik dazu, dass der derzeitige
Personalschlüssel in deutschen Heimen nicht annähernd ausreicht, um eine
menschenwürdige Pflege zu gewährleisten, lässt sich u. a. aus einer Studie der
Universität Bielefeld - Institut für Pflegewissenschaft Forschungsgesellschaft für
Gerontologie e. V. - mit dem Titel "Pflegebedarf und Leistungsstruktur in
vollstationären Pflegeeinrichtungen" belegen.
Der Sozialverband VdK, der 1,7 Millionen Mitglieder vertritt, will mittels
Verfassungsbeschwerde: Verletzung der Menschenwürde in der Pflege ein
"gesetzgeberisches Unterlassen" rügen.
Verfassungsbeschwerde von Armin Rieger,
wegen Verletzung der Schutzpflicht des Deutschen Staates gegenüber
pflegebedürftigen Menschen durch Untätigkeit und Billigung von Missständen in der
stationären Pflege, durch welche die im Deutschen Grundgesetz garantierten
Grundrechte der Pflegebedürftigen missachtet werden.
Auch Frau Dr. jur. Susanne Moritz stellt in ihrer Doktorarbeit fest, dass in den
Medien gehäuft von menschenunwürdigen und untragbaren Zuständen in den
Pflegeheimen berichtet wird. Geschildert werden neben einer völlig unzureichenden
pflegerischen Versorgung der Heimbewohner auch erhebliche Gewaltanwendungen
gegenüber Pflegebedürftigen. Die Missstände sind laut Frau Dr. Moritz empirisch
belegbar.
Werner Kollmitz: Experte für das Altenpflegesystem “Ich kläre auf über
Altenpflege, Menschenwürde und Menschenrecht in Deutschland - Über das
“Versagen” des Altenpflegesystems - Seine Auswirkungen - Warum der Staat
dringend eingreifen muss“
Schwachstellenanalyse von Transparency Deutschland
Die Studie stellt erhebliche Mängel fest: zu wenig Transparenz und
Kontrollmöglichkeiten für die Betroffenen und jede Menge Möglichkeiten, die
Abhängigkeit von Menschen mit Pflegebedarf wirtschaftlich auszubeuten.
Wir kennen die zunehmenden medialen Berichte zum Thema, Petitionen, eine
davon aus Sachsen mit über hunderttausend Unterschriften.
4. IST- ZUSTAND – Hilfsstrukturen bundesweit - Auswahl
Seit 2009 werden in vielen Bundesländern Pflegestützpunkte eingerichtet. Sie
vernetzen die bisherigen Beratungsangebote der verschiedenen Träger.
Pflegestützpunkte bündeln die pflegerischen, medizinischen und sozialen
Leistungen, d.h. hier können viele Fragen an einer Stelle beantwortet werden.
Pflegestützpunkte sind auch Ansprechpartner, wenn es um finanzielle und rechtliche
Fragen geht, denn sie stehen in einem direkten Austausch mit den Pflegekassen.
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Die Berater in den Pflegestützpunkten sind speziell ausgebildet. Die Beratung kann
telefonisch, in der Beratungsstelle oder bei dem Pflegebedürftigen zu Hause
erfolgen.
Derzeit gibt es in Deutschland über 300 staatliche Pflegestützpunkte.
Derzeit gibt es in Deutschland in fast allen Bundesländern telefonische Krisen-,
Beratungs- und Beschwerdestellen zur Pflege.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Krisen-, Beratungs- und Beschwerdestellen für
alte Menschen in Deutschland wendet sich daher u.a. mit den folgenden
Forderungen an die Öffentlichkeit:
1. Keine Toleranz von Gewalt gegen alte Menschen in keiner Situation und zu keiner
Zeit!
2. Schaffung von Krisen -und Notrufberatungsstellen für alte Menschen in jeder
Region!
3. Deeskalationstraining und Wissensvermittlung über die Gewalt gegen alte
Menschen in die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Pflegekräften und Ärzten
einbeziehen!
4. Keine Fixierungen in Pflegeheimen und Kliniken!
5. Rechtliche Betreuungen nur nur nach dem Erfordernisprinzip einrichten unter
Achtung des nach dem Erfordernisprinzip einrichten unter Achtung des Willens des
Betreuten!
6. Förderung von Projekten zur Prävention und Intervention!
7. Verbreitung und Einhaltung der Charta der Rechte für hilfeund pflegebedürftige Menschen!
Zu diesen bundesweiten Strukturen gäbe es noch viel zu sagen, doch würde dies
hier den Rahmen sprengen. Bei Bedarf kann dazu informiert werden.
5. IST- ZUSTAND
mit den Folgen für die Pflege für Pflegende Angehörige in Sachsen
Sachsen hat bis auf ein Modellprojekt keine unabhängigen Pflegestützpunkte
wie in allen anderen Bundesländern.
Das hat für Pflegende Angehörige zur Folge, dass es nicht nur unterschiedliche
Träger der verschiedenen Angebote mit unterschiedlichen Konditionen gibt, sondern
auch keine einheitlichen bzw. vollständigen Informationen darüber und vor allem
kann es dadurch keine unabhängige Beratung geben.
Oft werden eigentliche Zuständigkeiten delegiert oder nicht wahrgenommen.
Beispiel Zwickau:
Die Beratungsverantwortlichen der Pflegekassenkassen sind oft schwer erreichbar
z.B. die der AOK, da diese auch nicht in Zwickau angesiedelt ist, so haben nicht alle
Versicherten vor ort Ansprechpartner, was zu unnötigen Laufereien und Warten ohne
Erfolg führt.
Die so genannten Beratung der von Pflegekassen arbeiten genauso profitorientiert
wie die z.B. der Sanitätshäuser.
Die so genannten turnusmäßigen Beratungen der Pflegekassen bei häuslicher
Pflege sind eher als Kontrollen zu betrachten, wo sich der Gesetzgeber absichert,
etwas getan zu haben.
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Beispiel Sachsen:
Das vom Ministerium gepriesene Pflegenetz Sachsen, eine Internetseite, ist sehr
unvollständig und bei Anfragen werden zwar Antworten direkt von
Ministeriumsmitarbeitern gegeben, doch sind vorliegende Antworten aus Tests
unvollständig und teils neben dem Gesetz. (Beispiele liegen vor.)
Die meisten älteren Betroffenen oder mit betroffenen Partner können gar nicht mit
dem Internet umgehen, bzw. haben keinen Zugang.
Die Auflistung von Heimen und Diensten ist keinesfalls aktuell und wie die nahezu
traumhaften Heimbenotungen entstehen, ist durch zahlreiche Untersuchungen,
Offenlegungen und Medienberichte hinlänglich bekannt.
Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Internetseiten, doch auch diese künden nur, von
dem was gut sein könnte, nicht aber wo konkrete Hilfen sind und für Menschen
hohen Alters ist das Internet nicht Mittel der Wahl. Sie benötigen einen
Ansprechpartner vor ort.
Man findet viel zum Thema im Internet und kann sich mit vielen Menschen am
Telefon unterhalten, die einem erzählen, was denn helfen könnte, wenn es denn
organisiert wäre.
Wo erfährt der Pflegende Angehörige, wo Kurzzeitpflegeplätze frei sind, z.B. bei
eigener plötzlicher Erkrankung?
Wo erfährt er welche Heime die Vereinbarungen mit dem Soziahilfeträger haben,
wenn es keine Listen gibt?
Wer hilft, wenn es Probleme mit dem Pflegedienst gibt?
Wer hilft, wenn es Probleme mit dem MDK bei der Pflegeeinstufung gibt oder
beteiligten Behörden, Institutionen?
Für die Probleme mit der MDK-Einstufung sind inzwischen neue Berufe entstanden,
die gegen hohe Bezahlung Hilfe versprechen.
Diese Fragen und Probleme, die es in der Pflege für Pflegende Angehörige gibt, aber
ebenso für Angehörige, die ihren Angehörigen im Heim betreuen, könnten
seitenweise fortgeführt werden.
Wer hat, wenn ein Pflegefall plötzlich eintritt in der Familie parallel Zeit sich ausgiebig
mit allen tangierenden Gesetzen zu beschäftigen?
Was hilft mir die Beratung, die mir sagt, es gibt die Möglichkeit der Kurzzeitpflege,
doch in der Region ist nirgendwo ein Platz frei?
Es gibt nicht nur vorübergehend Pflegende Angehörige mit zu pflegenden der PST 1,
wo evtl. andere Verwandte oder Nachbarn einspringen könnten. Ab Pflegestufe 2
und vor allem 3 und bei langjähriger Pflege steigt die Belastung extrem und
Auszeiten sind unbedingt nötig. Das kann kein Nachbar übernehmen.
Es gibt genügend Statistiken, die belegen, wie stark belastet Pflegende Angehörige
sind.
Viele Pflegende Angehörige sind rund um die Uhr und 7 Tage in der Woche
gefordert. Dies stresst auf Dauer extrem und vor allem bei an Demenz Erkrankten.
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Ein Pflegender Angehöriger ist bei der Vielfalt auftretender Probleme schnell
überordert. Dies geht zu Lasten der Pflegequalität und zu Lasten der Gesundheit des
Pflegenden Angehörigen.
6. IST- ZUSTAND vorhandener Strukturen in Zwickau
Die in Zwickau angebotenen Hilfsstrukturen sind leider nur partiell entwickelt.
Die Angebote, die es von einzelnen Trägern gibt, sind Angebote allerdings
vorwiegend für die Erstinformation: Information über die gesetzlichen Grundlagen
bzw. Angehörigenschulungen z.B. die der Stadtmission. Aber allesamt sind sie nicht
trägerneutral.
Vereine, die sich dem Thema widmen, können aufgrund mangelnder Qualifikation
und sehr begrenzter Mittel nicht den hohen Anforderungen entsprechen.
Die Angebote sind evtl. angedacht oder funktionieren nicht wie geplant aus
unterschiedlichen Gründen.
Die genannten Missstände müssen nicht heißen, dass jede Pflegesituation hier bei
uns im Landkreis ständig und immer sehr schlecht sein muss, denn es gibt viele
Pflegende, die an ihre Grenzen gehen.
Doch aus eigener Erfahrung, der über 11jährigen Pflege meiner an Demenz
erkrankten Mutter bis zu Beginn diesen Jahres, könnte ich genügend persönliche
Beispiele beitragen, wo vieles hätte besser geregelt sein müssen bzw. wo es bis hin
zur Gesundheitsgefährdung für meine Mutter ging.
Aus diesem jahrelangen Kontakt zu den Pflege im Landkreis tangierende Stellen,
weiß ich um die Möglichkeiten und Defizite.
Zwickau ist im Bundesgebiet keine Pflegeoase, denn auch hier wirken die
unzureichenden gesetzlichen Bedingungen, des Weiteren der sächsische
Sonderweg, der hinter den bundesweiten Hilfsstrukturen hinterherhinkt und die
Besonderheit der demografischen Entwicklung im Osten und die
Spitzenposition vom LK Zwickau bei der Pflegebedürftigkeit.
7. WAS IST ZU VERÄNDERN in Zwickau
Dem LK Zwickau fehlen Pflegestützpunkte und ein Krisentelefon, wie es sie
bereits seit Jahren in anderen Bundesländern gibt.
In einem Schreiben vom SÄCHSISCHEN STAATSMINISTERIUM FÜR SOZIALES
UND VERBRAUCHERSCHUTZ von Frau Katja Naumann an mich wird betont:
„Grundsätzlich gilt: der Bedarf ist räumlich sehr unterschiedlich. An erster
Stelle sind daher die Kommunen und Landkreise angefragt, passfähige
Versorgungsstrukturen zu entwickeln.“
Im Verlauf der weiteren Ausführungen wird darauf verwiesen:
„Als Alternativen zur Vermeidung oder aber zur Sicherung einer langfristigen Pflege
und Betreuung von Pflegebedürftigen außerhalb von stationären Pflegeeinrichtungen
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unterstützt und fördert der Freistaat Sachsen derzeit den Auf- und Ausbau von
Alltagsbegleiterprojekten, Betreuungsangeboten und Seniorengenossenschaften.“
„Innerhalb der bestehenden Netzwerke erhalten auch pflegende Angehörige eine
erste Orientierung und weitere Informationen zum Thema Pflege.“
In den Ausführungen des Ministeriums werden allerdings die Probleme der laufenden
Pflege von Pflegestufen 2 und 3 und von an Alzheimerdemenz Erkrankten völlig
außer Acht gelassen.
Dies wurde in den meisten anderen Bundesländern bereits beachtet und darauf
reagiert.
Beispielgebend in den neuen Bundesländern ist hier Thüringen mit 3
bestehenden Pflegestützpunkten: Jena, Nordhausen im Landkreis Nordhausen
und Sondershausen im Kyffhäuserkreis.
Die beiden letzten Kreise haben mit je etwa 89 000 bzw. etwa 80 000 EW, also
etwa die Hälfte der Bewohner unseres Landkreises 2 Pflegestützpunkte.
Der Landkreis Zwickau hat allein mehr als 338 000 EW, dem entsprächen im
Vergleich zu den Thüringer Landkreisen laut Einwohnerzahl schon 4
Pflegestützpunkte.
In Nordhausen gibt es 2 fest angestellte Mitarbeiterinnen mit entsprechenden
Studienabschlüssen. Die Trägerschaft liegt zu einem Teil beim Landkreis
Nordhausen und einer großen Anzahl von beteiligten Pflegekassen, was eine nahezu
unabhängige Beratung und vor allem Hilfestellung aus zentraler professioneller Hand
ermöglicht.
In einem Modellprojekt des Bundes wurde einst auch der Pflegestützpunkt in Plauen
ins Leben gerufen und arbeitet heute noch.
Wir benötigen:
einen ersten Pflegestützpunkt und damit
- eine umfassende und unabhängige Auskunft und Beratung,
- eine Koordinierung der sozialen Hilfe- und Unterstützungsangebote,
- Vernetzung von Versorgungs- und Betreuungsangeboten
sowie
ein Krisentelefon Pflege
nach den vorhandenen bundesweit gut funktionierender und leider stark
nachgefragten Einrichtungen solcher.
Unter den gegebenen Pflegebedingungen in Deutschland per Gesetz und im
Vergleich zu den bereits bestehenden Strukturen in anderen Bundesländern, steht
die Aufgabe vor allem auch vor der Kommune, die in Sachsen schlecht entwickelten
Hilfsstrukturen zur Pflege auch wie vom Ministerium unterstrichen, professionell und
unabhängig den Gegebenheiten anzupassen, um jetzt und in kommender Zeit
menschliches Leid zu verhindern und Hilfe zu geben vor dem Hintergrund der hier im
Landkreis sehr hohen und wachsenden Anzahl Pflegebedürftiger.
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Zwickau benötigt dringend diesen Anlaufpunkt für Pflegende Angehörige und alte
allein stehende Menschen mit bevorstehendem Pflegebedarf.
Zwickau benötigt in Krisensituationen der Pflege telefonische Ansprechpartner für
Hilfsbedürftige in der häuslichen, der ambulanten aber auch ebenso stationären
Situation sein.
Und auch professionell Pflegende erreichen ihre Grenzen und benötigen Hilfe.
So wie der Pflegeberuf mehr Anerkennung verdient, haben auch Pflegende
Angehörige mehr Anerkennung für ihr Ehrenamt der Pflege in Form von
funktionierenden unabhängigen professionellen Hilfen, die zur Pflege
befähigen, verdient.
Ich bitte Sie eindringlich jetzt mit der Organisation und Koordinierung dieser
Strukturen zu beginnen, denn die demografische Entwicklung wird die
Probleme noch wachsen lassen.
Für Zwickaus Bürger würden diese Hilfsstrukturen die Lebensqualität erhöhen
und für den Landkreis dessen Image verbessern helfen.
8. VORSCHLAG FÜR DEN BÜRGERHAUSHALT 2015:
Von 2 pflegerfahrenen Kräften werden im Haushaltsjahr 2015 die Einrichtung des
Pflegestützpunktes nach genannten Vorbildern für den Landkreis Zwickau vorbereitet
und das Krisentelefon Pflege bereits begonnen und dafür das nötige Netzwerk der
Professionellen zusammengestellt.
Geschätzte benötigte Mittel dafür 25 000 – 30 000 €
Darunter Bereitstellung eines Telefon- und Internetanschlusses und 2 Laptops, sowie
Fahrtkosten.
Für diese Arbeit wäre ich motiviert und erfahren und könnte als dazu
verdienende Eu-Rentnerin vorwiegend von zu Hause arbeiten.
(Ich war beteiligt am Aufbau mehrerer Projekte in Zwickau, z.B. Alter
Gasometer und habe u.a. im PR- Bereich gearbeitet und zuletzt über 11 Jahre
die alleinige Pflege meiner an Alzheimer-Demenz erkrankten Mutter
durchgeführt.)
Die zweite Person könnte Frau Monika Würtenberg sein, die ebenfalls
Rentnerin ist und Pflegeerfahrung hat und mit mir für menschenwürdige Pflege
ehrenamtlich arbeitet. (Sie hat über 45 Jahre im medizinischen Bereich gearbeitet.)
Beide Personen sind völlig trägerunabhängig, informiert, organisatorisch und in der
Pflegeproblematik erfahren und vernetzt.
Das Projekt könnte bei Interesse der Kommune noch detaillierter dargestellt werden.
Annelie Wagner
Ps: Quellen können bei Bedarf gern nachgereicht werden.

 2014-09-02 Antrag Anelie Wagner - Pflegestützpunkte.pdf


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